Ich stand also völlig aufgelöst vor meinem Großvater. Er tröstete mich erstmal und sagte, dass wir das schon wieder hinbekommen. Und das Männer nie und nimmer weinen, vor allem nicht wenn sie beim Spielen verloren haben. Dazu muß man sagen, dass mein Großvater ein begeisterter Spieler war. Er liebte es Karten zu spielen und auch BackGammon spielte er liebend gerne. Er war sogar einer der wenigen im Dorf – ich glaube sogar der Einzige außer in der Kneipe – der eigene Karten und auch ein BackGammon Spiel hatte. Im Dorf hat man sich sogar die Geschichte erzählt, er wäre aus Amerika zurück gekommen, weil er im Streit wegen einem Spiel einen anderen aus dem Fenster geworfen hat. Aber zu ihm erzähl ich ein anderes mal mehr. Auf jeden Fall haben wir uns erst einmal hingesetzt und meine oma hat Kuchen gebracht. Naja Kuchen kann man es nicht wirklich nennen, es war irgend ein Teig mit Zucker, dass es ein bisschen süß ist. Dann hat er angefangen zu erzählen. Er erzählte mir, daß wenn man um wirklich wichtige Sachen spielt, man immer den Vorteil auf seiner Seite haben muß. Man darf nie spielen wenn es sich nicht lohnt, wenn man mehr verlieren kann als gewinnen. Der Gegner muß aber die ganze Zeit das Gefühl haben, er ist der Bessere und hat den Vorteil auf seiner Seite.

Kapiert habe ich da natürlich nicht wirklich was mein Opa mir erzählt hat. Auf jeden Fall hat er danach gesagt, ich soll zu den Jungs gehen und sie her bringen. Habe ich also gemacht. Als dann alle hier waren hat mein Opa ihnen folgendes Angebot gemacht. Wenn ich gewinne, bekomme ich die Zigaretten und meine Jeans wieder. Wenn er gewinnt bekommt der das BackGammon Brett. Wir spielen drei Spiele und wer davon zwei gewinnt, hat gewonnen. Ich wollte nicht wirklich, weil so ein Brett war wirklich viel Wert. Das war selbst mir damals ziemlich klar. Mein Großvater beruhigte mich aber und sagte ich soll mir keine Sorgen machen. Also fingen wir an. Und ich verlor das erste Spiel. Ich war aufgeregt wie noch nie. Mein Großvater hatte sich in meinen Augen auf mich verlassen und ich bin kurz davor sein Brett zu verlieren. Doch auch hier beruhigte er mich wieder und sagte ich soll in Ruhe weiter spielen. Das zweite Spiel sah jedoch nicht besser aus, ich war kurz davor auch das noch zu verlieren. Als ich dann würfeln wollte nahm mein Opa die Würfel. Er hielt sie mir vor den Mund und sagte ich muss immer ganz fest drauf pusten. Er hätte das in Amerika gelernt. Ich pustete drauf und wünschte mir, dass ich noch gewinne. Er gab mir die Würfel wieder in die Hand und ich spielte weiter.

Wow wie ich los legte. Ich würfelte ein Pasch nach dem anderen. Zwei Sechser, Fünfer, Fünf-Sechs usw. Ich gewann das zweite Spiel ohne Probleme und genau so das Dritte. Der andere mußte mir direkt die Zigaretten übergeben und nach Hause laufen meine Jeans wieder holen. So konnte ich die Zigaretten wieder an ihren Platz legen bevor mein Vater vom Feld kam. Meinem Opa musste ich aber versprechen, meinen Eltern nichts davon zu erzählen. Ich habe dann erzählt, dass ich die Jeans wieder gewonnen habe. Meine Eltern waren ein wenig sauer, und ich habe ihnen dann versprochen nie wieder zu spielen.

Das ich das natürlich nicht gemacht habe könnt ihr euch ja denken. Aber wenn ich in nächster Zeit gespielt habe, dann immer nur um Kleinigkeiten und ich habe darauf geachtet, dass meine Gegner immer mehr verlieren können wie ich. Wenn es dann mal doch nicht lief, hatte ich ja immer noch meine Geheimwaffe. Ich pustete einfach auf die Würfel, denn so machen es ja auch die Amerikaner. Und die haben ja auch den Krieg gewonnen. Was konnte da noch schief gehen. Mein Großvater war für die nächste Zeit mein Held. Denn er hat mir gezeigt wie man gewinnt. Das da irgend etwas nicht gestimmt haben könnte dachte ich in dem Alter noch nicht. Der Trick war für mich einfach auf die Würfel zu pusten. Erst später habe ich dann mehr darüber erfahren.

Gruß und gute Nacht
Vlad



One Response to “Mein erster Betrug II”  

  1. Servus,

    sehr interessant. Kannst Du für Laien wie mich mal erklären wie das mit den Würfeln funtioniert?

    Viele Grüße

    Toxic


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