Mein erster Betrug
Ich kann mich noch ganz genau daran erinner. Es war im Sommer und ich war sechs Jahre alt. Naja ganz so wirklich weiß ich es nicht. Es ist aber auf jeden Fall, das erste Mal an das ich mich erinnern kann. Mit Betrug an sich ist man ja ständig in Berührung gekommen zu dieser Zeit. Die einen haben den Staat betrogen, die anderen haben die Betrogen, die den Staat betrogen haben. So war es eigentlich ein ständiges Hin und Her. Wenn ein Feld geerntet wurde, war es normal, dass die Hälfte in die Scheune des Vorarbeiters transportiert wurde. Dabei ist nochmals die Hälfte verschwunden und bei den Transporteuren gelandet usw. So hat das System funktioniert, und selbst als Kind hat man es mitbekommen. Aber niemand hätte es wirklich als Betrug oder Diebstall bezeichnet. Es war einfach so und fertig.
Aber jetzt zu meiner ersten Betrugserinnerung. Es war wirklich Sommer und ich dürfte so 8 oder 9 Jahre gewesen sein, so ca. in der dritten Klasse. Im Dorf gab es nicht so viele Kinder, so daß wir auch mit Älteren gespielt haben. An diesem Tag jedoch haben wir Back Gammon gespielt. Wir hatten natürlich kein Brett. Ich glaube im ganzen Dorf gab es nur drei oder vier Spielbretter und zwei davon standen in der Kneipe. Wir haben im Sandkasten gespielt. Der auch kein richtiger Sandkasten war sondern eine Grube mit Sand für den Bau. Dort haben wir uns das Spielfeld aufgemalt und mit Steinen als Figuren. Würfen hatten wir, allerdings nur einen. Mit dem dann immer zweimal gewürfelt wurde.
Wir haben da ein paar Spiele gespielt und als ich an der Reihe war, meinte mein Gegner: “Na du deutscher Angeber, zeig mal ob du den Mum hast auch um was zu spielen. Wir spielen jetzt um deine Jeans.” Genau im Kopf hab ich eigentlich nur noch den Anfang seiner Aussage, dass er mich als deutschen Angeber bezeichnet hat. Eine Jeans war natürlich etwas wirklich besonderes. Kein anderes Kind hatte eine im ganzen Dorf. Meine haben meine Großeltern aus Amerika mitgebracht, in der weißen Vorraussicht, dass ihr Sohn sicher mal Kinder bekommen wird. Und diese sollten dann auch eine Jeans haben. Auf jeden Fall ließ seine Aussage nicht auf mir sitzen und spielte mit. So eine große Auswahl hatte ich natürlich nicht, er war älter bestimmt schon 15 oder 16. Also war mein Einsatz meine Jeans und sein Einsatz war auch meine Jeans. Tja das Ende von der Geschichte, er hat gewonnen und ich musste meine Jeans direkt ausziehen. Ich bin dann in Unterhosen nach Hause gelaufen, wo ich mir erstmal von meinem Vater etwas anhören durfte. Ich hab geflennt wie ein Schlosshund und wollte, dass mein Vater mir meine Jeans wieder holt. Hat er aber nicht gemacht und nur gesagt ich sei selbst schuld.
Nachdem ich mich dann am nächsten Tag wieder beruhigt hatte wollte ich alles dran setzen meine Jeans wieder zu bekommen. Ich hatte auch einen genialen Plan. Mein Vater hatte ausländische Zigaretten. Die hatte er bestimmt über 10 Jahre oder so bereits aufgehoben. Wie lange weiß ich nicht mehr, aber er hat immer erzählt, die sind älter als ich. Die sollten mein neuer Einsatz sein. Ich habe also eines Nachmittags in die Stube geschlichen, die restliche Schachtel Zigaretten geklaut und bin losgezogen meine Ehre wieder herzustellen und meine Jeans zurück zu gewinnen. Mein Gegner konnte sich natürlich die Chance nicht entgehen lassen und ging auf den Deal ein. Ich war mir sicher, diesmal gewinn ich. Leider war dem nicht so, und ich habe auch meinem Vater seine Zigaretten verloren.
Nach Hause habe ich mich nicht mehr wirklich getraut. Ich wußte das gibt Prügel. Auch wenn man Vater mich nie wirklich geschlagen hat, hier hätte ich mir ein paar gefangen. Daher habe ich es vorgezogen zu meinem Opa, dem Vater meines Vaters, zu gehen und ihm die Geschichte unter Tränen zu beichten. Er konnte mir kaum einen Wunsch abschlagen, und spätestens wenn ich angefangen habe zu weinen, hat er mir jeden Wunsch erfüllt …
So jetzt aber genug für heute. Morgen geht es weiter. Nicht daß mir noch irgendwann der Stoff ausgeht.
Gute Nacht
Vlad
Tags: ausländische Zigaretten, BackGammon, Betrug, Jeans, Opa
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